Widersprüche und Herausforderungen

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Allein die Idee, Statements von Personen aufzunehmen, welche Erfahrungen als Geflüchtete oder ähnliches haben oder hatten, reduziert dies nicht die Menschen auf konstruierte und doch existierende Kategorie(n)?

Unsere eigene Motivation ist es ja diesen besonderen, expertenhaften Blickpunkt, welcher oft vernachlässigt wird, in den Vordergrund zu stellen (siehe auch „Über die Statements“). Doch dabei nutzen wir ja auch die Kategorie „Geflüchtete“ und verfestigen diese damit. Selbst, wenn das Ziel auf langer Sicht ist, diese Kategorien aufzubrechen.

Vor allem beim Aufnehmen von Statements oder auf deren „Suche“, ist die Gefahr da die Person auf ihre Erfahrung(en) als Geflüchtete zu reduzieren. Es ist auch wichtig, sich zu überlegen, ob es gerade angebracht ist, nach dem Interesse einer Statementabgabe zu fragen. Und wenn nach einem Statement gefragt wird, sollte dabei nicht der Respekt für die gefragte Person fehlen, sowie eine passende Sensibilität.

Hierbei scheint es uns wichtig auf weitere folgende Fragen und Denkanstöße hinzuweisen.

Wenn wir Menschen, die wir nicht kennen, auf das Projekt ansprechen, vielleicht auch in der Hoffnung ein neues Statement aufzunehmen, schreiben wir dieser Person nicht (un)bewusst Kategorien und Erfahrungen zu?

Natürlich kann der Aufenthaltsstatus und die Erfahrung(en) mit Grenzen nicht gesehen werden.

Es mag manche Situationen geben, wo es erschließbar scheint, doch wirklich klar ist es natürlich erst nur, wenn es gesagt worden ist.

Die Frage welche sich uns aufdrängt ist, inwieweit wir (un)bewusst eine Art „racial profiling“ machen, oder hier eher angebracht, „refugee experience(s)“ profiling?

Wir versuchen immer erst das Projekt zu erklären und welche Gruppe von Menschen wir bitten möchten ein Statement zu erstellen. Der weitere Ablauf hängt oft sehr von der gezeigten oder auch nicht gezeigten Reaktion, der_des Gefragten ab. Wie gesagt, sollte jeder Umgang sensibel sein und den Menschen an sich wahrnehmen.

Auch ist die Frage wichtig, welche Menschen auch mit einbeziehbar wären. Z.B. Menschen, die während des oder nach dem zweiten Weltkrieg innerhalb Europas geflohen sind. Die Situation(en) waren damals natürlich anders geprägt als jetzt, und doch scheint es gewisse Ähnlichkeiten zu geben. Und so wollen wir auch einer_einem europäische_n Bürger_In eine Plattform bieten, wenn es angebracht wäre und wollen dies nicht gleich ausschließen.

Wie schon in dem Punkt „unsere Ansichten“ angesprochen wurde, sind wir Menschen nicht frei von diskriminierenden und kategorisierenden Denkweisen. Außerdem ist die Sicht jedes Menschen durch seine Lebensrealität begrenzt.

Wir wollen trotzdem an uns arbeiten und uns weiterhin fragen was, wie und warum wir gewisse Sache tun und auch nicht tun. Dazu gehört bspw. auch das Projekt an sich.

Diese Fragen und Gedanken sollten einen ständigen, dynamischen Prozess bilden, bei dem wir euch alle herzlich einladen möchten eure Anregungen, Kritiken und Ideen zu teilen.

Vielen Dank