Die Statements

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Die Idee der Statements ist, dass Personen welche starke Erfahrungen mit (nationalen) Grenzen haben selbst entscheiden sollen worüber sie reden wollen und auf welcher Weise. Und dass sie sich nicht vor gewissen Fragen (erneut) rechtfertigen müssen (wie z.B. „Warum bist du hier?“).

Die Statement wurden alle ohne Vorgabe einer bestimmten Fragestellung festgehalten. Es wurde einfach nur gesagt, was willst du sagen? Die Wahl der Sprache soll, so gut wie es geht, ermöglicht werden. Was die Menschen selbst an Informationen über sich preisgeben wollen, ob mit vollem Namen, falschem Namen oder Anonyme, ob mit Bild oder ohne, soll jede_r für sich entscheiden. Wir weisen nur zum Schluss nochmal daraufhin, dass das Statement so viel wie möglich verbreitet werden soll und das alle möglichen Einzelpersonen, Institutionen und Gruppen zugriff darauf haben. Wenn dann keine Einwände sind, werden die Stellungnahmen hochgeladen, gedruckt oder auf andere Wege verbreitet. Bei Refugee Report, ein Projekt, welches eine ähnliche Herangehensweise hat, sind alle Statements anonym (wir werden einen Namen verwenden, wenn die Person in ihrem_seinem Statement einen Namen nennt). Wir dürfen diese auch auf diesen Blog veröffentlichen.

Während des Marsch für die Freiheit 2014 sind Geflüchtete und Unterstützer_Innen von Kehl bis nach Brüssel zu Fuß gelaufen. Dabei wurden erste Statements gesammelt, um die zur Verfügung stehenden Flyer und Prospekte zu bereichern. Dabei wurde schnell klar, dass diese ein wichtiger Bestandteil der Sichtbarmachung von den vielen Einzelnen oft unerhörten und isolierten Stimmen sei. Auf dem Internet Blog, wurde nach einer Zeit jeden Tag verschiedene hochgeladen. Es wurden Leute gefragt die am Marsch teilgenommen haben und auch Menschen die unsere Wege gekreuzt haben. Alle haben oder hatten starke und diverse Erfahrungen mit Grenzen (vorwiegend nationale) und sind somit Expert_Innen ihrer Lage.

Die Statements vom Marsch findet ihr auf der Seite: http://freedomnotfrontex.noblogs.org/

Die Situationen in den die Statements aufgenommen werden sind sehr unterschiedlich, sowie die Verbindung von Fragender/em und Gefragter/em. Manchmal entstehen diese in politischen Aktionen oder Treffen, aber auch in Alltäglichen Situationen sind sie entstanden zwischen Menschen die sich noch nicht kannten, aber auch zwischen Freund_Innen und Bekannte. Teilweise haben die Leute es selbst aufgeschrieben, andere haben es diktiert und manchmal gingen auch die Wörter durch eine_n Übersetzter_In.

Zwar ist der Anspruch sowenig wie möglich den Menschen, der was sagen möchte, in seiner Themen, auch eventuellen Medium (Text, Audio oder sonstiges) Wahl zu beeinflussen, jedoch gibt es natürlich immer einen mal kleineren und größeren Einfluss. Wie die Dynamik, die Beziehung zwischen den Personen ist, welche Sprachen werden jeweils gesprochen, welche Zuschreibungen werden erfahren, welche Privilegien und welche Fremd- und Selbstwahrnehmung die Leute haben und natürlich auch wie gut (oder schlecht) der zwischenmenschliche Umgang auf charakterliche Ebene ist.

Auch überrumpelt teilweise die Aufforderung „sag was du willst“ die gefragte Person, so das sich diese Inspiration wünscht. Dabei wird die Vielseitigkeit der bisherigen Statements kurz angerissen, was aber nicht als Anleitung oder Leitfaden verstanden werden sollte. Es ist Alles möglich und der Person wird erneut gesagt dass sie bestimmt worüber und wie sie etwas sagen möchte.

Wie bereits oben schon erwähnt, werden die gesammelten Statements von Refugee Report auch auf diesem Blog veröffentlicht. Hier findet ihr deren Internetseite; http://www.refugee-report.de/

Alle Beiträge aus ihrem Repertoire werden verlinkt. Auch bei den Statements vom Marsch für die Freiheit 2014 wird es unten einen Hinweiß geben. Sollten mit der Zeit andere Quelle geben, welche eine sehr stark ähnliche Herangehensweise haben, werden wir diese natürlich bei Möglichkeit auch gerne hinzufügen.

Zum Schluss sollte darauf hingewiesen werden, dass alle aufgefordert sind diese Statements in vielseitiger Weise zu nutzen und zu verbreiten. Dabei ist natürlich wichtig zu beachten, dass sie nicht aus dem Kontext gezogen werden dürfen, um absichtlich zu deformieren. Auch darf kein finanzieller Profit mit diesen Statements gemacht werden. Höchstens um Spende für Materialien darf gebeten werden.

Für alle Statements die auf diesem Blog sind gilt:

Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International

(Siehe auch http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/)

Die Menschen sind die Expert_Innen ihrer Lage. Was sie sagen ist politisch und wichtig. Ob jemand über sein persönliche Situation oder lieber über die politische Situation reden will, sei ihr/ihm überlassen.

In den Erfahrungen von Menschen mit Themen wie Grenzen oder Rassismus liegt oft eine gewisse Ähnlichkeit oder Parallele, und doch sind sie jedes mal einzigartig. Das liegt an der persönlichen Lebenserfahrung und Lebenswelt, sowie bspw. auch an anderen Formen von Repression und Privilegien und deren dynamisches Zusammenspiel. Nur die Erfahrung als Geflüchtete_r gibt dem Menschen kein faktisches oder zusammenhängendes (soziologisches) Wissen über das Thema Asyl. Und doch hat diese Person (oft unfreiwillig) einen bestimmen Zugang, welcher anderen Menschen ohne diese Erfahrung verwehrt bleibt.
Deshalb sind die Menschen Expert_Innen ihrer Lage. Ihre Sicht, Erfahrungen und Einschätzungen zu Themen wie bspw. Asyl, Migration, Europa, Rassismus und weiterem sind wichtig und politisch und ein allgemein wichtiger Beitrag, der oft zu kurz kommt. (Siehe mehr dazu in „Über Widersprüche und Herausforderungen„)
Das heißt im Umkehrschluss nicht, dass diese Aussagen unkritisierbar oder unproblematisch sein müssen und / oder die Person frei von diskriminierenden Denkweisen ist.

Es wird kein Rassismus, Sexismus, Homophobie, Antiziganismus, Ableism, antimuslimischer Rassismus, Transphobie, Klassismus und sonstige schwerwiegende Formen von Diskriminierung akzeptiert. Wenn ein Mensch jedoch solche Äußerungen machen sollte, wird sie/er nach der Aufnahme oder Mittendrin darauf hinweisen dass, wir dieses Statements nicht veröffentlichen können und auch nicht wollen.